Schnelle Triathleten auf eisigem Grund

Hinter dem Zieleinlauf, auf ein Absperrgitter gestützt, rangen die entkräfteten Moritz Horn und Tom Thurley am Sonntagvormittag mächtig um Sauerstoff. In hoher Frequenz atmeten die beiden nahezu synchron ein und aus, fluteten ihre Lungen mit frischer Luft und beförderten die verbrauchte sogleich wieder heraus. Ihr Atem stieg in der Kälte nach oben wie Dampf aus einer Lokomotive. Volle Fahrt hatten die zwei Sportler zuvor beim Endspurt auf der Fünf-Kilometer-Distanz des Caputher Seelaufs aufgenommen, als sie den leicht abschüssigen Schmerberger Weg rasant hinabeilten. Ein klein wenig mehr Tempo entwickelte dabei Horn, der in 15:21 Minuten am Ende ganz knapp vor Thurley ankam und den Triumph ausgelassen bejubelte.

Der entthronte Sieger der zwei vorhergehenden Jahre freute sich anschließend dennoch über den Wettkampfausgang. „Das Duell hat Spaß gemacht. Ich werde lieber mal auf solche Art Zweiter, anstatt nur einsam vorne weg zu laufen“, sagte der Lokalmatador vom Caputher SV nach dem ersten von elf Rennen im MBS-Cup 2016. Für Cup-Titelverteidiger Tom Thurley, dessen Lieblingsdistanz der Halbmarathon ist, war der Heimauftritt also ein gelungener Start in die diesjährige märkische Laufserie.

Darmstädterin Tertsch siegt während ihres Gastbesuchs in Potsdam 

Kein Wörtchen in deren Gesamtwertung wird Moritz Horn mitsprechen. Auf sechs Rennen, die in die Schlussabrechnung einfließen, wird er nämlich nicht kommen, da seine sportlichen Ambitionen anders gelagert sind. Als Aktiver vom Verein Triathlon Potsdam stehen für den 16-Jährigen vielmehr vorrangig Wettbewerbe im Dreikampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen auf dem Plan. „Ab März geht unsere Saison wieder richtig los. Der Start in Caputh war ein gutes Training für mich“, erklärte der Sportschüler, der 2014 deutscher B-Jugend-Meister geworden war und im Jahr darauf Rang drei in der Altersklasse A belegte.

Bereits auf internationaler Triathlon-Bühne sicherte sich derweil Lisa Tertsch vordere Platzierungen. Die 17 Jahre alte Darmstädterin, die gestern in Caputh mit einer Zeit von 17:29 Minuten schnellste Frau über fünf Kilometer war, hatte 2015 den vierten sowie zehnten Rang bei der Junioren-Europa- und -Weltmeisterschaft belegt. Beide Titelrennen gewann Laura Lindemann aus Potsdam, wo sehr erfolgreiche Triathlon-Nachwuchsarbeit geleistet wird. Daher reist Lisa Tertsch regelmäßig von Hessen an die Havel, um dort gemeinsam mit den Potsdamer Talenten zu trainieren. „Ich möchte mich dadurch sportlich weiterentwickeln. Etwa jedes zweite Wochenende und in den Ferien komme ich her“, sagte die Schülerin, die in den kommenden Monaten ihr Abitur ablegt. Danach wird sie studieren. Aber nicht etwa in Potsdam, der Stadt mit dem starken Triathlon-Stützpunkt, sondern in den USA. „Auch da kann ich meinen Sport auf hohem Niveau ausüben.“

Vereiste Passagen auf der Laufstrecke

Statt nach Übersee ging es am Sonntag für sie nun um den Caputher See. Trotz großer Bemühungen des Wettkampfveranstalters – inklusive einer kurzfristigen kleinen Routenänderung – war das dortige Laufterrain in diesem Jahr aufgrund der Witterung nicht optimal. „Es waren viele vereiste Passagen dabei“, berichtete Moritz Horn: „Da konnte man sich nicht gut vom Boden wegdrücken und man musste vor allem in den Kurven aufpassen, um den Halt nicht zu verlieren.“

Beim Zehn-Kilometer-Lauf meisterten Felix Ledwig und Julie Jungblut die schwierigen Verhältnisse am besten. Ledwig (Fortuna Marzahn) gewann in 35:04 Minuten, Jungblut (39:33/Triathlon Potsdam) holte den Sieg in der weiblichen Konkurrenz. Platz eins über die zwei Kilometer belegten Bosse Seidler (8:36/Caputher SV) und Selena Trontelj (9:34/Potsdamer Laufclub).

Flüchtlinge laufen mit

Rund 570 Teilnehmer gingen auf den drei angebotenen Distanzen an den Start, was zwar keine neue Caputher Rekordbeteiligung war, „aber in Anbetracht des ungünstigen Wetters der vergangenen Tage immer noch ein starke Bilanz ist“, fand Organisationsleiter Reiner Faix.

Ein besonderes Erlebnis war die Laufveranstaltung indes für zahlreiche Flüchtlinge aus der Erstaufnahmestelle in Ferch. Während einige von ihnen interessiert am Streckenrand standen und die Athleten anfeuerten, traten 15 Asylsuchende – unterstützt von der Initiative „on the move“ – sogar selbst mit an. Ihre nach oben gerissenen Arme bei der Zielüberquerung waren ebenso Ausdruck der Freude und des Stolzes wie die energisch geschwungene Siegerfaust von Moritz Horn.