Boulevard wird zur Läufergasse

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf. Wer sich in den vergangenen Wochen im Firmenkollektiv nach Feierabend oder in aktiver Pause zum Laufen getroffen hat, bekommt in diesen Wochen reichlich Startgelegenheiten bei Firmenläufen. In der vergangenen Woche konnte am Brandenburger Tor in Berlin gelaufen werden, am vergangenen Mittwoch beim DAK Firmenlauf in Potsdam und an gleich drei Tagen findet in der kommenden Woche im Tiergarten die große 5x5-Kilometer-Staffel des SCC Berlin statt.

Auch in Brandenburgs Landeshauptstadt lockt in der kommenden Woche die nächste kollektive Bewährungsprobe – bei der 23. Preußischen Meile am 26. Juni. Im Hauptrennen werden auch die schnellsten Firmen beziehungsweise Teams gewertet. Mit dabei beim Internationalen Sparkassenlauf wird auch eine Mannschaft vom Hauptsponsor und Namensgeber sein: „Da sind schnelle Leute dabei“, verheißt der Filialdirektor Dirk Meißner.

Die 23. Auflage der Preußischen Meile vis-à-vis des Luisenplatzes verspricht eine Rekordveranstaltung zu werden. 550 Voranmeldungen zählte das Organisationsbüro am Beginn dieser Woche, für den Hauptlauf (20 Uhr) waren es bereits 25 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir hoffen, dass wir die Grenze von mehr als 1 000 Läufern schaffen“, sagt Conny Straub, die vom veranstaltenden Potsdamer Laufclub (PLC) für die Koordination der Schülerläufe verantwortlich ist. Für diese gibt es in diesem Jahr erstmals eine Neuerung: Es wird nicht nach Jahrgängen, sondern nach Klassenstufen gewertet.

Neu ist auch, dass die Brandenburger Straße zur Läufergasse wird: rechts und links werden Absperrgitter aufgebaut, sodass die Läufer eine vier Meter breite Gasse nur für sich haben. Man habe gemerkt, dass in den Vorjahren von den Teilnehmern der Charakter eines Citylaufes kritisch hinterfragt wurde, weil sich die Laufstrecke mit Passanten geteilt werden musste, begründet PLC-Chef Daniel Sale die Absperrmaßnahme.

Die Anmeldung eines Teilnehmers aus den USA macht den Sparkassenlauf in diesem Jahr international. Der Ursprung der Preußischen Meile, der das historische Längenmaß von 7 532,48 Metern als Distanz zugrunde liegt, war gekennzeichnet von zahlreichen Länderkürzeln hinter den Startern des Eliterennens innerhalb der Veranstaltung. Als Anfang der 1990er-Jahre in Deutschland Straßenläufe boomten, initiierte Jürgen Bruns die Preußische Meile als internationales Rennen – Top-Läufer aus Kenia, Zimbabwe, starke Konkurrenz aus Ost-Europa und die deutsche Laufelite jagten durch Potsdams barocke Innenstadt. Der organisatorische und auch finanzielle Aufwand war indes immens, sodass sich der PLC entschied, die Preußische Meile zum Volkslauf zu machen. Als Rennen innerhalb der MBS-Cup-Serie ist der Hauptlauf attraktiver Wettbewerb der lokalen und regionalen Laufspitze.

Geht es nach dem PLC, sollen zu dieser in Zukunft mehr Läufer im blau-weißen Vereinstrikot zählen. Ab Juli soll es beim PLC eine leistungsorientierte Laufgruppe geben, in der Talente vom früheren 800-Meter-Europameister Olaf Beyer und Athletikcoach Andreas Kühnel trainiert werden. „Wir haben in der Vergangenheit zahlreiche Talente an andere Vereine verloren“, sagt Daniel Sale und nennt als Beispiel Hagen Brosius, der mit dem Laufen beim PLC begann und dann für den SCC Berlin Deutscher Vize-Meister über 10 000 Meter wurde. „Wir sehen das als Projekt, das wir zunächst auf ein Jahr angelegt haben“, so Sale. Denn Leistungssport sei für den PLC als kleiner Verein eine große Aufgabe.


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