Mit Stirnlampe um den Plessower See

Einmal im Jahr kämpft sich eine Schar aus 444 Wanderern 24 Stunden lang durch Bayern. Der Extremwandertag „Bayern 24“ findet in unterschiedlichen Gebirgsregionen statt, in diesem Jahr im Spessart. Er wurde nach wenigen Jahren ein derartiger Erfolg, dass Wanderfreunde sich nur ein paar Stunden im Internet dafür bewerben können und dann ausgelost werden. Dass es im Werderaner Raum gleich beim ersten Mal einen solchen Andrang gibt, glaubt Petra Rauschenbach zwar nicht. Doch die zertifizierte Wanderführerin ist sich sicher, dass ein schweißtreibendes Wanderevent auch hier erfolgreich sein kann.

Seit einem Vierteljahr bereiten Rauschenbach und ein Team von einem Dutzend Wanderenthusiasten einen Marathon-Wandertag vor, wie ihn die Region noch nicht erlebt hat. „24 Stunden-Wandertag Werdersches Havelland, Schwielowsee und Kulturlandschaft Potsdam“ lautet der Arbeitstitel. Die Premiere ist am 10. Oktober geplant, Start und Ziel ist Caputh. Tourismusbüros und Fremdenverkehrsvereine von Potsdam, Werder (Havel) und Schwielowsee haben bereits ihre Unterstützung zugesagt, auch der Tourismusverband Havelland und die Tourismus Mark Brandenburg sind im Boot. Als Schirmherr wurde Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske, selbst ein Wanderfreund, gewonnen, freut sich Rauschenbach.

 Vorbei an 15 Seen und zehn Schlössern

Während im bayerischen Gebirge allenfalls Distanzen von 60 Kilometern zur Debatte stehen, sind im Märkischen Flachland für trainierte Wanderfreunde in 24 Stunden auch 100 Kilometer zu bewältigen, glaubt Rauschenbach. „Das wird eine der längsten 24-Stunden-Strecken derartiger Veranstaltungen in Deutschland sein.“ Die „Havel 100“-Tour soll an fünfzehn Seen und zehn Schlössern vorbeiführen – mit Stationen wie dem Schloss Caputh, der Glienicker Brücke, dem Schloss Sanssouci und der Werderaner Inselstadt, wo langsam die Dämmerung einbricht. Durch die Nacht wird mit Stirnlampe um den Plessower See und den Glindowsee nach Petzow geschritten, von wo es durch den Bliesendorfer Wald zum Spargelhof Klaistow, Ferch und dem morgendlichen Wietkiekenberg zurück nach Caputh geht.

Rauschenbach ist Wanderwartin im Petzower Heimatverein und bietet seit einigen Jahren mit wachsendem Erfolg Erlebniswanderungen im Werderaner, Potsdamer und Berliner Raum an. Die Leiterin der DDR-Abteilung im Berliner Bundesarchiv hatte ursprünglich einen Ausgleich zu ihrem Bürojob gesucht. Vom Powerwalken sei sie zum Wandern gekommen, nahm schon an vielen der großen süddeutschen Wanderevents teil und sucht inzwischen auch ihre Reiseziele nach attraktiven Wanderrouten aus. Gerade kam sie aus einem Urlaub aus Teneriffa zurück und schwärmt von den Strecken und Kiefern im Norden der Insel. Auch von einem Besuch in New York ist ihr die Tageswanderung rund um Manhattan als wichtigstes Erlebnis in Erinnerung geblieben.

Nach dem Deutschen Wandertag im Fläming ließ sie sich vor vier Jahren mit ihrem Mann beim Deutschen Wanderverband zur Wanderführerin ausbilden. „Wir dachten, dass sich daraus was machen lässt.“ Die Ausbildung sei dann anspruchsvoller als erwartet gewesen. Geologie-, Biologie-, Geschichts- und selbst Managementinhalte wurden vermittelt. Seitdem bietet Rauschenbach Erlebniswanderungen an, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Für die regelmäßigen „Wolfsspur“-Wanderungen musste wegen der großen Nachfrage Interessenten zuletzt sogar abgesagt werden, weil es zu viele waren. Andere ihrer Wanderungen führen zu den Bliesendorfer Wanderdünen, den Glauer Bergen, über die Wannseeinsel, durch den Grunewald, zu den Potsdamer Parks und Seen oder den Petzower Sanddornfeldern. Jetzt soll es eine ganze Nummer größer werden.

Kulterevents am Wegesrand

Zum Marathon-Wandertag sollen nicht nur trainierte Wanderer und Sportfreunde angelockt werden, mit Alternativstrecken von 10, 25 und 50 Kilometern soll für alle etwas dabei sein. Jeder kann für ein noch festzulegendes Startgeld mitmachen, jeweils zwei Wanderführer sollen eine Gruppe begleiten. Die Essensversorgung ist im Preis inbegriffen und an den Strecken sollen Höhepunkte, kleine Kulturevents und Überraschungen eingebaut werden.

Zwei Testwanderungen auf den Originalstrecken sind vorab geplant: am 29. März die 25-Kilometer-Tour und am 10. Mai die 50-Kilometer-Tour, die an einem Tag auf Schusters Rappen um Schwielow- und Templiner See führen soll. Rauschenbach rechnet dann für den 10. Oktober vorsichtig mit etwa 200 Teilnehmern. Ziel sei es, dass alle möglichst gleichzeitig ihr Ziel erreichen. Bei allzu große Blasen an den Füßen soll es Abholpunkte geben, von denen Shuttlebusse zurück nach Caputh fahren. Wenn es läuft, soll es weitere solcher Wanderevents geben.

Ziel des Aktionstages sei es, nach dem erfolgreichen Wasser- und Fahrradtourismus auch den Wandersport in der Region zu etablieren – und zugleich die Saison zu verlängern. Denn der Herbst in der märkischen Seenlandschaft, sagt Rauschenbach, hat etwas Eigenes.

Für den Aktionswandertag werden noch Helfer und Sponsoren gesucht, Näheres und Anmeldung (ab 20. Februar) unter: wandern-mit-uns.de

Autor: Henry Klix (Potsdamer Neuesten Nachrichten)


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