Potsdamer Lauffest - Ein voller Erfolg

Es ließe sich auch als großes Tohuwabohu bezeichnen, was sich am vergangenen Freitag – vor allem am Vormittag – im Stadion am Luftschiffhafen abspielte. Das bunte Durcheinander des Potsdamer Lauffestes, das sich dem Betrachter bot, hatte jedoch keineswegs mit mangelnder Organisation zu tun.

Vielmehr mit der Teilnehmerschaft während der ersten drei Stunden der alljährlichen Spendenaktion. Mehrere hundert Schüler von insgesamt zehn Grundschulen sowie Kindergartenkinder aus acht Kitas  zeigten ab 10 Uhr große Laufbereitschaft und ließen die Veranstaltung mit ihrer kindlichen Freude und Spielspaß aufleben.
Natürlich gab es für sie auch viel zu entdecken, denn neben dem Rundenlaufen auf der Bahn gab es auf dem Rasen reichlich Möglichkeiten, um sich anderweitig auszutoben. Während die Verkehrswacht Potsdam Cadcar-Rennen anbot, organisierten die Schüler der Fachhochschule für Sozialwesen Hermannswerder Sackhüfen, Büchsenwerfen oder Laufparcours. Zwischen sichtlich vergnügten Kindern im Grundschul- und Kitaalter waren auch eher ältere Schüler zu sehen, die weniger elanvoll ihre Bahnen schlenderten und zusammen mit Walkern an so mancher Stelle die kleinen Flitzer zu Slalomläufern werden ließen.

Zwischen Eifer und Faulenzen

Im Laufe des Vormittags trudelten die Spendenläufer der weiterführenden Schulen ein.  So waren motivierte Jugendliche und Kinder zu sehen, die das ganze Handgelenk mit gesammelten Gummis überzogen hatten und vor ihren Klassenkameraden damit prahlten wie viele Runden sie schon gelaufen seien. Auf der hölzernen Tribüne indes saßen die Faulenzer, die versuchten mit ihrer Musikbox, aus welcher Bushido ertönte, das durch die Lautsprecher laufende „I follow you“ zu übertönen.
Für jede gelaufene Runde gab es ein Gummiband ums Handgelenk, die in regelmäßigen Abständen abgerechnet wurden in bereitstehenden Pavillons. Jedes einzelne abgegebene Band entspricht einem gespendeten Euro an die Altenstiftung Potsdam – geht  also bedürftige, ältere Mitbürger der Stadt Potsdam. Gespendet wird das Geld für den guten Zweck von großen und kleinen in der Landeshauptstadt ansässigen Unternehmen wie der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, den Verkehrsbetrieben, der Arbeiterwohlfahrt, dem Filmpark Babelsberg oder dem Klinikum „Erst von Bergmann“ und der Stadt Potsdam. Ganz reibungslos lief das System mit den Gummis allerdings nicht ab: Oft gab es Stau am Checkpoint und schon nach einer Stunde waren erstmals alle verfügbaren Gummis verteilt – Rekord!  Außerdem war zu beobachten, wie so manch junger männliche Gummibandverteiler durch das eine oder andere süße Lächeln eines gleichaltrigen Mädchens plötzlich bestechlich wurde. Aber wen stört schon der eine Taler mehr für die Altenstiftung?
In ihrer Jagd nach möglichst vielen Runden ließen zwischen all dem Trubel und Spaß so einige ehrgeizige Athleten nicht stören, die mit Kopfhörern und Sportsonnenbrillen konzentriert durch die Menge hechteten und versuchten, ihr schnelles Tempo zu halten. 50 Runden, also 20 Kilometer soll ein der besonders eifrigen Rundendreher geschafft haben. Den Zwischenstand nach zwei Stunden, zur Mittagsstunde, rund 33.000 gelaufene Runden zählten Schüler der Lenne-Gesamtschule, die sichtlich viel zu tun hatten, mit der Abrechnung der ständig eintreffenden Gummibänder.
Für Verpflegung war bestens vorgesorgt: Eis und Crepes für die Kids. Und auf der Tribüne konnte Opa Georg gemütlich in der Sonne seine Erbsensuppe und Bier schlürfen und dabei seiner Enkelin Clara beim Laufen zuschauen. Später würde er ihr hier noch ein Softeis kaufen, meint er, damit sich ihre Lunge wieder abkühlt, nach dem ganzen Rumgerenne. 

Blaue Stunde am Nachmittag

Als dann ab 13 Uhr die Mitarbeiter der Stadtverwaltung an den Start gingen, leerte sich das Stadion nach und nach und die Szenerie wurde überschaubarer. Als 16.30 Uhr die so genannte „Blaue Stunde“ des Potsdamer Laufclubs begann, liefen nur noch vereinzelt Läufer in blauen Trikots des Potsdamer Laufclubs auf der Bahn. Die Stimmung war verflogen, es hatte zwischendurch heftig geregnet und die Sonne hatte sich für den Rest des Tages verabschiedet. Trotzdem gab es einen Grund zum Feiern, als um 18 Uhr der laut posaunende Fanfarenzug den Abschluss bildete und die letzten Runden marschierte. Die rund 6.000 Teilnehmer des Potsdamer Lauffestes schafften es. 75.000 Gummibänder zu erlaufen. 75000 Euro also für die Stiftung Altenpflege Potsdam. Was für eine Leistung! Und sogar nach zwölf Jahren absoluter Rekord für das Lauffest. So viele Runden wurden noch nie gelaufen. Da konnten selbst die irgendwie recht ernst dreinschauenden Mitglieder des Fanfarenzugs sich ein Lächeln nicht verkneifen.

 


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