Die Helden vom Müggelturm

Von einem „Lauf in den Frühling“ konnte wohl eher weniger die Rede sein, als es am vergangenen Sonntag rund um den Müggelturm ging. Durch das Strandbad „Wendenschloss“ in Köpenick wehte bei minus sechs Grad ein eisiger Ostwind.

An warmen Sommertagen sicherlich ein idyllischer Ort zum Entspannen, wofür zumindest die auf den Müggelsee scheinende Sonne warb.
Zum Entspannen waren die rund 750 Läufer am Sonntagmorgen ohnehin nicht gekommen. Besonders die 23 Teilnehmer des AOK-Heldenteams waren aufgeregt. Die Helden sind Menschen mit Behinderung, welche die AOK Nordost bei verschiedenen Läufen in Berlin und Brandenburg an den Start bringen will, um sie die Freude und Begeisterung am Sport spüren zu lassen. Und das funktioniert: Viele der Heldenläufer waren bereits im vergangenen Jahr beim Müggelturmlauf dabei und fieberten schon seit Wochen ihrer Wiederkehr entgegen.

Laufen mit Handicap

Fünf Kilometer hatten sich die Helden-Läufer vorgenommen –die meisten kommen aus den Lichtenberger Behindertenwerkstätten. Als sie sich an der Startlinie versammelten, zeigte sich, dass nicht nur die Teilnehmer des Heldenteams mit einem Handicap liefen, sondern auch Läufer der Berliner Feuerwehr. Die Firefighters Berlin liefen in voller Brandbekämpfungsmontur mit 50 Kilogramm schweren Sauerstoffflaschen auf dem Rücken die fünf Kilometer –für einen guten Zweck: Für den Verein „Löwenkinder“ in Frankfurt (Oder), für den es im Sommer auch eine AOK-Heldenstaffel geben wird. 

„Eye of the Tiger“ klang es durch die Lautsprecher, als der Startschuss fiel und AOK-Heldenläufer Alex lossprintete, sodas auf den ersten 100 Metern der 5000-Meter-Weltrekord in Gefahr geriet. Weiter hinten im Läuferfeld war die Freude am Laufen dem 44 Jahre alten Thomas Heger ins Gesicht gemalt. Der Berliner hat das Down Syndrom, war schon im vergangenen Jahr beim Müggelturmlauf dabei. Da er beim Laufen einen Begleiter braucht, hatte er den diesjährige Gewinner der Luckenwalder Crosslauf-Serie, Dennis Heberer vom Potsdamer Kimbia Sports e.V., an seiner Seite. Nicht schnell, aber fürsorglich war daher für den 21-Jährigen das Motto am Sonntag. Gemeinsam mit Micheal Klotzbier, Gesundheitsbotschafter für die AOK-Heldenstaffel, liefen Thomas Heger und Dennis Heberer über die Ziellinie.
Auch wenn so mancher der Heldenläufer nach rasantem Start zwischendurch eine Gehpause einlegen musste, ins Ziel geschafft haben es alle. Und dass beim Laufen alle gleich sind – ob mit Handicap oder ohne – zeigten die Gespräche im Zielbereich: Da lieferten sich alle Läufer eine detaillierte Berichterstattung und ihre Eindrücke:Wer wo wie auf der verwurzelten Strecke gestolpert war, wer wen wann überholt hatte, dass der eisige Wind im Wald zum Glück kaum zu spüren war. 

Stolz erzählte Heldenläufer Alex seiner Betreuerin Ricarda Koch, wie er beim Start ganz vorne mitgelaufen ist –bis er abgelenkt wurde: Eben noch leidenschaftlich bei seinen Schilderungen, stellte er plötzlich fest, dass die Veranstalter warme Kartoffelsuppe ausschenkten und hechtete unverzüglich los. Als er mit seiner dampfenden Suppenschale zurückkam, scherzte Michael Klotzbier, Alex sei nur deswegen so schnell gelaufen, damit er nicht für die Suppe anstehen müsse. Als sich jedoch innerhalb kurzer Zeit eine 50 Meter lange Schlange vor der großen Suppenterrine bildete, zeigte sich Michael Klotzbier besorgt: „Meint ihr, es gibt dann später noch genug“, fragte er in die Runde.

Mitmachen in der Heldenstaffel
Der 38-jährige Klotzbier brachte im Sommer 2014 noch stattliche 160 Kilo auf die Waage. Inzwischen ist der Berliner leidenschaftlicher Läufer, Marathon-Finisher und Unterstützer der AOK-Heldenstaffel. Diese werden das nächste Mal am 6. Mai beim S25 –den 25 Kilometern von Berlin an den Start gehen. 5 x 5 Kilometer werden in der Staffel gelaufen. Wer einen der schönsten Berliner Läufe live erleben will, sich bislang aufgrund eines Handicaps, mangelnder Fitness, zu hohen Gewichts gescheut hat mitzulaufen, kann sich um einen Platz in der AOK-Heldenstaffel bewerben –per Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Und die Schnellsten waren:
Mustafa El Quartassy vom 1. VfL Fortuna Marzahn gewann wie im Vorjahr das 10-Kilometer-Rennen. Mit einer Zeit von 32:00 Minuten stellte der gebürtige Marokkaner einen neuen Streckenrekord auf. Als erste Frau kam zehn Minuten Später Anja Schwerin ins Ziel (42:43).
Ersterüber die fünf Kilometer wurde Albert Mollen in flotten 15:49 Minuten. Er startet  für den schwedischen Verein Sävedalens AIK. Unter den Frauen schaffte es Christina Dräger (20:25) vom TuS Neukölln auf den ersten Platz. Den Halbmarathon gewann nach 1:20:21 Stunden Norman Repkow von den Berliner Wasserratten das Ziel. Erste Frau wurde Christiane Neidiger (1:36:50) von den Laufpartnern. Ältester Teilnehmer war mit 85 Jahren Erhard Bader, der die fünf Kilometer in 37:15 Minuten lief.

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