Das süße Leben ist vorbei

Für dieses Jahr hat die Bundesregierung eine Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertiglebensmitteln ausgearbeitet.

Diese ging aus einer Grundsatzvereinbarung mit der Lebensmittelindustrie hervor. Warum viele Ernährungsexperten das für längst überfällig halten, zeigen harte Fakten: mindestens jeder zweite erwachsene Deutsche ist übergewichtig, bei den Kindern ist es jedes Siebte. Zudem stieg die Zahl der Diabetes-Erkrankungen seit dem Jahr 1998 um 38 Prozent.

Im Dezember vergangenen Jahres haben einige medizinisch, wissenschaftliche Fachgesellschaften gemeinsam eine Obergrenze von 50 Gramm Zucker pro Tag festgelegt. Bisher griffen solch verhaltenspräventive Empfehlungen jedoch nicht, was auch darauf zurückzuführen ist, dass Zucker extrem süchtig macht. Aus einer Studie der Icahn School of Medicine geht hervor, dass das Haushaltsmittel einen achtmal höheren Suchtfaktor hat als Kokain. Im Schnitt nehmen Frauen 61 Gramm und Männer 78 Gramm Zucker pro Tag zu sich. Dabei kann eine zu hohe Zuckeraufnahme viele Probleme verursachen. Zum einen beeinträchtigt er die Abwehrkräfte gegen Infektionskrankheiten, indem er das Gleichgewicht der Darmflora durcheinanderbringt, in der sich 70 Prozent des Immunsystems befinden.

Krebszellen hingegen lieben Zucker. Übermäßiger Konsum führt zu einem erhöhten Insulinspiegel und löst somit massive Fettspeicherung aus. Desto mehr Fett im Körper ist, desto mehr werden so genannte Zytokine produziert. Dabei handelt es sich um Botenstoffe, die Informationen zwischen den Zellen innerhalb des Immunsystems übermitteln. Bei erhöhter Konzentration rufen Zytokine jedoch Entzündungen im Gewebe hervor und verstärken diese. Doch als wäre das nicht schon verheerend genug, entstehen 20 Prozent aller Krebskrankheiten durch Entzündungen. Die Liste der durch Zucker hervorgerufenen Probleme scheint endlos lang. Neben den bereits erwähnten Risiken kann er beispielsweise auch Schlafprobleme, Alzheimer und Konzentrationsstörungen hervorrufen, um nur ein paar davon zu nennen.

Viele Produkte werben inzwischen damit, komplett zuckerfrei zu sein und stattdessen Süßstoffe zu enthalten. Diese Stoffe besitzen zum einen höhere Süßkraft als Zucker und haben kaum Kalorien. Deshalb sollten Süßstoffe aber noch lange nicht als die rettende Alternative angepriesen werden. Sie führen ebenso zu Diabetes und Übergewicht, da sie appetitanregend wirken, sowie zu nachweislich schlimmeren Veränderungen der Darmflora als Zuckerbelastung. Daher ist die beste Alternative immer noch der Verzicht oder zumindest die 50 Gramm-Marke nicht zu überschreiten.

Nun legte Bundes-Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) konkrete Zielvorgaben mit der Lebensmittelindustrie fest, die bis 2025 einzuhalten sind. "Die Ernährungswirtschaft hat sich erstmalig dazu verpflichtet und will sich in ihren Schritten überprüfen lassen, Zucker, Fette und Salz in Fertignahrungsmitteln zu reduzieren", so Klöckner. Dementsprechend soll der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken um 15 Prozent, in Kinder-Frühstückscerealien um 20 Prozent und in Kinderjoghurts um 10 Prozent gesenkt werden. Ob die Fülle der verhandelten Ziele, sowie die Zeitspanne, in der diese zu realisieren sind, den Verbraucher wirklich schützen, wird sich zeigen. Größter Kritikpunkt dürfte sein, dass die Einhaltung der Vorgaben lediglich selbstverpflichtend sind. Eine wohl sinnvollere Lösung wäre es, Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt, auch höher zu besteuern und bei gesunden Lebensmitteln den Preis zu senken.

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