Märkisches Rapsöl ist gesünder als Olivenöl

Quelle: dpa

Schlechte Zeiten für die Mittelmeerdiät: Im kommenden Jahr dürfte italienisches und spanisches Olivenöl teuer werden.

Die Ernten wurden in diesem Jahr so stark von Trockenheit im Sommer und Unwettern im Herbst beeinträchtigt, dass die Italiener 2015 voraussichtlich nicht im einmal mehr ihren Eigenbedarf decken können. Aber vielleicht muss es ja nicht unbedingt Olivenöl sein? Ein Potsdamer Ernährungswissenschaftler rückt nun ein ganz anderes Öl in den Fokus: Rapsöl. Als Treibstoffersatz hat das Öl der leuchtend gelben Felder nicht unbedingt den Ruf ernährungsphysiologischer Hochwertigkeit. Doch einer neuen Studie zufolge ist es nicht nur ein gleichwertiger Ersatz für das flüssige Gold aus dem Süden, sondern es soll sogar besser sein. 

Dass Olivenöl gesund ist, ist schon lange bekannt. Da in Nordeuropa allerdings nicht so viel davon in der Küche verwendet wird wie im Süden, wollten die Potsdamer Ernährungsforscher Michael Kruse und Andreas F. H. Pfeiffer herausfinden, ob es eine heimische Alternative gibt. Die Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Bergholz-Rehbrücke (DIfE) nahmen zusammen mit ihrem Team dafür das Rapsöl in den Fokus. Es hat wie Olivenöl einen hohen Anteil an guten ungesättigten Fettsäuren, ist in Deutschland aber ungleich günstiger zu erhalten. Denn Raps wächst bei uns in Hülle und Fülle, weite Importwege entfallen. 
„Bisher fehlen Ernährungsstudien, die die Wirkung beider Öle direkt miteinander vergleichen“, erklärte der Erstautor der Studie Michael Kruse. Für ihre Pilotstudie untersuchte das Team um die beiden Forscher 18 übergewichtige Männer im Alter zwischen 39 und 63 Jahren. Sie erhielten für vier Wochen zu einer ausgewogenen Kost täglich 50 Gramm raffiniertes Rapsöl oder kaltgepresstes Olivenöl, also ein Viertel Wasserglas. Das Öl sollte als Salatsoße oder Pesto – nicht erhitzt – verzehrt werden. Beide Öle hatten den gleichen Gehalt an Vitamin E und Polyphenolen, also sekundären Pflanzenstoffen, die als gesundheitsfördernd gelten. Das Ergebnis nach vier Wochen war für die Potsdamer Forscher eine Überraschung: Die Öle waren nicht nur gleichwertig, was ihre gesundheitsfördernden Eigenschaften anbelangt, sondern das Rapsöl verbesserte im Vergleich zum Olivenöl sogar den Cholesterinspiegel und die Leberwerte der untersuchten Personen. Auch fanden die Forscher heraus, dass die Aufnahme von Rapsöl zwar kurzfristig die Produktion von entzündungsfördernden Botenstoffen im Unterhautfettgewebe stimuliert, jedoch langfristig chronischen Entzündungsreaktionen entgegenwirke.

Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse aktuell in der Fachzeitschrift Molecular Nutrition and Food Research veröffentlicht. An der Pilotstudie waren auch Forscher der Universität Hamburg sowie der Friedrich-Schiller-Universität Jena beteiligt.

Übergewicht (Adipositas) geht zumeist mit chronischen Entzündungen einher. Dadurch ist das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöht. Hinzu kommt, dass Übergewichtige häufig auch unter Bluthochdruck und Leberverfettung leiden, auch kann ein Typ-2-Diabetes oder eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung folgen. Bislang hatten verschiedene Studien Hinweise gegeben, dass ein hoher Verzehr von Olivenöl, wie er zur mediterranen Ernährung gehört, diesen Krankheiten vorbeugen kann. Nun stellt sich aber heraus, dass unser heimisches Rapsöl das offensichtlich noch besser kann. 
Nach den vier Wochen, in denen die Studienteilnehmer täglich 50 Gramm herkömmliches Fett in ihrer Ernährung durch Rapsöl ersetzt hatten, war bei ihnen weder eine Ab- noch Zunahme des Körpergewichts festzustellen. Allerdings zeigte sich, dass sich bei ihnen im Vergleich zu der Gruppe mit Olivenöl der LDL-Cholesterinspiegel um rund 0,45 Millimol senkte. Was eine <NO1>Somit lag der LDL-Cholesterinspiegel der Männer, die Rapsöl verzehrten, um mehr als 15 Prozent niedriger lag und dies eine<NO>signifikante Absenkung ist: Der LDL-Cholesterinspiegel lag bei der Rapsöl-Gruppe um 15,2 Prozent niedriger als beim Olivenöl. In der Olivenölgruppe konnte keine signifikante Absenkung des LDL-Cholesterins in Vergleich zum Ausgangswert festgestellt werden. 
Gleichfalls verbesserten sich die Leberwerte: Das Enzym Aspartat-Aminotransferase, das als Marker für eine Leberverfettung gilt, verminderte sich sogar um 18 Prozent. Im nüchternen Zustand gab das Unterhautfettgewebe der Rapsöl-Kandidaten zudem auch deutlich weniger entzündungsförderndes Interleukin-6 ab. Dieser Botenstoff wird insbesondere durch das die Eingeweide umlagernde Fett im Bauchraum freigesetzt und gilt als Entzündungsmarker. „Dauerhaft erhöhte Interleukin-6-Spiegel, die oft bei Übergewicht zu beobachten sind, stehen im Verdacht, eine Insulinunempfindlichkeit der Körperzellen und Typ-2-Diabetes zu fördern“, erklärte Michael Kruse.
Die Erklärung dafür, dass das Rapsöl im direkten Vergleich besser als Olivenöl abschneidet, suchen die Forscher derzeit noch. Dabei müsste geklärt werden, ob die Besserung der Werte mit einem Rückgang der Leberverfettung zusammenhängt, erklärte Kruse. Bislang sei das Spekulation. „Weitere Studien mit weitaus größeren Probandenzahlen sind notwendig, um die von uns beobachteten Effekte genauer zu untersuchen“, so der Ernährungswissenschaftler Pfeiffer. 

Eine gesundheitsfördernde Wirkung des Rapsöls für die Allgemeinheit will Kruse nicht ausschließen. „Eine Verbesserung von erhöhten Leber- und Cholesterinwerten ist immer der Gesundheit förderlich.“ Wichtigster Punkt für Kruse ist allerdings der therapeutische Zweck: Wenn sich die Ergebnisse der Studien nun durch weitere Studien belegen lassen, könnte man durch durch den täglichen Verzehr rapsölhaltiger Lebensmittel eine Verbesserung der Fettlebererkrankung erzielen. „Das gibt es bisher so nicht, es gibt keine spezifische medikamentöse Therapie“, erklärt Kruse. Der einzige Weg, die Leber wieder abzuspecken, ist bislang Diät und Bewegung. Das könnte in Zukunft mit dem Rapsöl kombiniert werden. Wobei das Öl vielseitig ist: Es kann nicht nur als Salatöl oder für Pestos verwendet werden, sondern auch zum Backen oder beispielsweise für Mayonnaise.</SB>

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