Die dicke Herausforderung

Weltweit gibt es mehr fettleibige Menschen als unterernährte. Foto: Fotolia

Statistiken alarmieren: Die Zahl an Fettleibigen auf der Welt steigt und steigt.

Übergewicht liegt unter anderem im schlechten Ernährungs- und Bewegungsverhalten begründet. Dieses dauerhaft und nachhaltig zu ändern, ist nicht einfach.

Die Welt wird immer runder. Erstmals leben mehr fettleibige Menschen auf dem Globus als Unterernährte. Internationalen Statistiken zufolge und nach Daten der Weltgesundheitsorganisation waren im Jahr 2014 weltweit 10,8 Prozent aller Männer und 14,9 Prozent aller Frauen übergewichtig. Um das Maß an Übergewicht zu ermitteln, nutzten die Wissenschaftler den Body-Mass-Index (BMI): Man teilt den Wert für das eigene Körpergewicht (in Kilogramm) durch die eigene Größe (in Metern) zum Quadrat. Wer auf einen Wert zwischen 18,5 und 25 kommt, gilt zunächst als normalgewichtig. Darunter beginnt Untergewicht, ab einem Wert von 30 fängt die Fettleibigkeit an.

In Deutschland gilt jeder vierte Erwachsene als übergewichtig – adipös. Nach dem tagesaktuellen Gesundheitsbericht des Bundes vom gestrigen Donnerstag liegt der nationale BMI ab der Altersgruppe der 35-Jährigen über 25. Ab einem Alter von 30 Jahren sind 30 Prozent aller Deutschen fettleibig. Die meisten übergewichtigen Deutschen sind unter den 55- bis 65-Jährigen zu finden – jeder Fünfte dieser Altersgruppe fällt in diese Kategorie.

Hohe Gesundheitsausgaben und hohe persönliche Risiken

Das zu hohe Gewicht belastet. Zum einen das Gesundheitssystem. Die Deutsche Adopositas Gesellschaft geht davon aus, dass die Gesundheitsausgaben infolge von Übergewicht in Deutschland im Jahr 2020 bei 23,7 Milliarden Euro liegen werden. Zum anderen zahlen übergewichtige Menschen selbst einen hohen Preis – durch erhöhte gesundheitliche Risiken, erhebliche psychosoziale Belastungen und Einschränkungen der Lebensqualität.

Obwohl die Entwicklung nicht überraschend kommt, Ursachen und Risiken bekannt sind, ist der Trend nicht zu stoppen. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass in einigen Jahren Adipositas das Gesundheitsproblem Nummer eins ist. Neben genetischen Dispositionen gelten psychosoziale und soziokulturelle Umwelt- und Umfeldfaktoren als Ursache für Übergewicht. Leistungsdruck in Job und Familie, Arbeitszeitverdichtung, Freizeitstress, Bewegungsmangel, zu viel und zu schlechtes Essen sind Gründe für Zivilisationskrankheiten wie Depressionen, Burnout oder eben Adipositas. Ein zentraler Handlungsansatz ist daher im Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Betroffenen zu sehen: Verhaltensänderungen spielen daher eine zentrale Rolle.

Wichtig ist unter anderem die Auswahl eines passenden Ziels

Einfach ist das nicht. Entsprechend sind eine – dauerhafte – Motivation und Ziele wichtige Triebfedern. Oft ist es erst ein gesundheitlicher Warnschuss, der zu einem Nachdenken und zu Verhaltensänderungen führt. Aber es gibt weitaus mehr und naheliegende, alltagspraktische Motive: wieder gut zu Fuß sein, Treppen steigen können, tanzen gehen, mit den Kindern oder Enkeln Fußball spielen, stressresistenter sein, entspannen können, Balance finden, schlanker und attraktiver sein.

Ganz gleich, was letztlich dazu animiert, schlechte und ungesunde Gewohnheiten zu ändern – sie müssen zu einem passen und glaubhaft sein. Die Definition eines unrealistischen Ziels ist der erste Schritt zum Misserfolg. Und auch wenn das richtige oder besser passende Ziel gefunden ist, wird der Weg dorthin kein leichter sein. Festgefahrene Gewohnheiten lassen sich nicht von heut auf morgen ändern, es braucht viel Achtsamkeit, Geduld und Disziplin. Herauszufinden, was einen wirklich nährt und in welcher Form Lebensmittel und Nährstoffe ganz individuell wirken, um letztlich dauerhaft ein optimales Gewicht zu haben, ist ein spannender, aber auch fordernder Prozess. Eine gesunde Lebens- und Ernährungsformel zu finden, ist ein Riesenschritt – ein Big Step – für den Einzelnen und für die Allgemeinheit ohnehin.

Text: Peter Könnicke

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