Heilen durch Bewegen

Heilen durch Bewegen Heilen durch Bewegen

Im Potsdamer Holländerviertel gibt es ein neues Trainingszentrum, in dem Schmerzfreiheit das Ziel ist. Auf einem speziellen Laufband wird...

Stressfrakturen – auch Ermüdungsbrüche genannt – sind unter Läufern leider weit verbreitet. Häufige Empfehlung von Ärzten in solch einem Fall: Ruhe oder leichtes alternatives Training wie Aquajogging.

Doch es geht auch anders, wie vor allem amerikanische Wissenschaftler, Mediziner und Sportler schon seit einiger Zeit zeigen. Auf einem Anti-Gravitations-Laufband, auf dem das Körpergewicht bis zu 80 Prozent entlastet werden kann, bewegen sich Läufer trotz ihrer Verletzung nahezu schmerzfrei. Entwickelt wurde das Laufband von der US-Raumfahrtbehörde NASA, das Nike-Trainingszentrum in Oregon des einstigen Weltklasse-Läufers Alberto Salazar nutzt die Technologie intensiv als innovatives Trainingsmittel.

Wenn nach Unfällen, Sportverletzungen oder wegen chronischer Erkrankungen Schmerzen zu Bewegungseinschränkungen, Fehlhaltungen und muskulären Dysbalancen führen, legt Kogan nicht die Hand zur wundersamen Heilung auf. Vielmehr verschreibt er Bewegung. „Das ist das beste Heilmittel“, so seine Erfahrung aus medizinischer Praxis. Trainiert werden dabei Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule auf Geräten, die das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklungsarbeit des Forschungs- und Präventionszentrums Köln sind. Seinen Ursprung hat das Konzept in einem Projekt der Sporthochschule Köln. Unter dem Leitbild „Deutschland den Rücken stärken“ versucht der Kölner Therapieansatz, bundesweit Rückenschmerzen zu lindern. Idee des therapeutischen Programms ist es, dass nur die beabsichtigen Muskelpartien trainiert werden, Ausweich- oder Kompensationsbewegungen verhindert werden. Elektronische Diagnose-, Steuerungs- und Überwachungsfunktionen liefern dem Trainer oder Arzt sofort Informationen über den Zustand und die Fortschritte des Trainierenden.

Dem Training voraus geht eine umfassende Diagnose, bei der Struktur, Funktionalität und Schmerz von Rücken, Knie oder Schultern analysiert und die entsprechende Therapie abgeleitet werden. „Es gehört mehr dazu, als nur die schmerzende Stelle zu behandeln“, sagt Kogan. Denn Schmerz sei nicht die Ursache, sondern Folge eines Leidens oder einer Verletzung.

Im US-Trainingscenter in Oregon, wo Spitzenläufer wie Doppel-Olympiasieger Mo Farah oder London-Silbermedaillen-Gewinner Galen Rupp trainieren, nutzen die Athleten die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zur ständigen Leistungsmaximierung. Trainingseinheiten auf einem Laufband im „Schwebezustand“, weil das Körpergewicht nahezu aufgehoben wird, dienen den Läufern zur schnelleren Regeneration nach Wettkämpfen oder intensiven Läufen. In der Reha-Phase nach einer Verletzung oder Operation können sie schonend ihre Fitness halten oder wieder aufbauen.

Diese aktive Erholung ist nichts anderes als das von Kogan verordnete heilende Moment durch Bewegung. „Der Körper“, so der Potsdamer Orthopäde, „ist dazu geschaffen, dass er sich bewegt und das auch leisten kann.“ Daher eigne sich das Anti-Gravitations-Laufband nicht nur als Trainings- und Therapiemittel, sondern auch für Übergewichtige, um ihnen überhaupt wieder ein Laufgefühl zu vermitteln. Gerade übergewichtigen Menschen ist der Gewinn an Lebensqualität durch Laufen nicht einfach zu vermitteln, da aufgrund der Belastung schnell Schäden für Gelenke, Sehnen und Bänder die Folge sein können. „Auf dem Laufband ist eine unerreichte Gelenkschonung möglich“, sagt Kogan. Da häufig Schmerzsymptome durch Übergewicht verrursacht oder verstärkt werden, können die Schritte auf dem speziellen Laufband zur effizienten Gewichtsreduktion beitragen – und vielleicht der Einstieg in ein völlig neues „Läufer“-Leben sein.

Diese Website verwendet Cookies sowie Dienste Dritter, wie z.B. Google Analytics. Mit der weiteren Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. In dieser erfahren Sie zudem, wie Sie das Setzen einiger Cookies verhindern können.
Zur Datenschutzerklärung Ok