„Begegnung mit Haile Gebrselassie war bewegend“

Das angestammte Laufrevier von Heino Hirschfeld war bislang der Havelradweg von Werder nach Brandenburg. Im November nahm er nun an einer...

Herr Hirschfeld, was hat Sie bewogen, zum Laufen nach Äthiopien zu reisen?

Ich war noch nie in Afrika. Ich hatte von Äthiopien keinerlei Vorstellungen. Daher hat es mich interessiert. Zu sehen, unter welchen Bedingungen die äthiopischen Weltklasse-Läufer trainieren, fand ich reizvoll.

Welche Bedingungen haben Sie dann vorgefunden?

Sportstätten oder gepflegte Waldwege waren es nicht. Wir sind kreuz und quer durch Eukalyptuswälder gelaufen, auf Grasboden, was sehr anspruchsvoll war, weil man ständig auf Unebenheiten achten musste. Aber vielleicht ist gerade das einer der Unterschiede, der die äthiopischen Läufer so stark macht. Denn durch das Laufen in dem für uns unwegsamen Gelände haben sie viel mehr Kraft und eine weitaus mehr belastbare, nicht so schnell ermüdende Muskulatur. Ich empfand das zunächst als sehr ungewohnt, aber auch schön und abwechslungsreich. Ich ahne zumindest, was diese Art des Laufens für eine sportliche Entwicklung bedeuten kann, wenn man das von klein auf so macht.

Welche Orte, an denen äthiopische Läufer trainieren, haben Sie denn gesehen?

Wir haben am Entoto trainiert, der Bergkette oberhalb von Addis Abeba, wo wir drei Tage verbrachten. Auf den Entoto fahren viele der äthiopischen Läufer, die in Addis leben, mehrmals in der Woche zum Training. Sie laufen dort in einer Höhe von bis zu 3000 Metern, was für uns aus dem märkischen Flachland extrem anstrengend ist. Ein paar schnelle Schritte und das Herz pocht bis zum Hals. Am eindrucksvollsten aber fand ich den Ort Bekoji – gut 200 Kilometer von der Hauptstadt weg. Das Dorf gilt als „Town of Runners“, weil viele der erfolgreichen äthiopischen Läufer wie die Olympiasieger Kenenisa Bekele, Derartu Tulu oder Tirunesh Dibaba von dort kommen. Dort haben wir an einem Vormittag gut 60 junge äthiopische Läufer beim Training erlebt. Die Art der Erwärmung, das Laufen selbst und mit welcher Begeisterung alle dabei waren, war imposant. Es war ein einfaches Feld, eine Wiese, auf dem die gelaufen sind. Das war völlig ausreichend.

Konnten Sie mithalten?

Sie haben sich zum Glück angepasst, denn ein paar junge Läufer hatten von ihrem Trainer die Aufgabe bekommen, sich um uns zu kümmern. Ich habe auch eine Gruppe 13- und 14-jähriger Mädchen beobachtet, die 45 Minuten lang kreuz und quer über das Feld gelaufen sind – immer gut eine Minute schnell und eine Minute locker. Ich hätte wohl ein-, vielleicht zweimal mitgehalten.

Haben Sie herausgefunden, wodurch die Begeisterung für das Laufen kommt?

Nicht wirklich. Wobei Haile Gebrselassie (27-facher Weltrekordler, zweifacher Olympiasieger, Anm. d. R.) einem überall als Idol begegnet. Er hat eine enorme Vorbildwirkung, er ist fast wie ein Gott. Er hat vor 15 Jahren den Great Ethiopian Run ins Leben gerufen, an dem 40 000 Läufer teilnehmen. Wobei die meisten nicht gelaufen sind, sondern das Laufen gefeiert haben. Viele sind mit Haile-Masken gelaufen. Wir hatten das Glück, ihn persönlich kennenzulernen, als wir gleich am ersten Tag in unserem Hotel ankamen, das er gerade übernommen hat und zu einem Läuferhotel umbauen lässt. Diese persönliche Begegnung mit Haile Gebrselassie war einer der bewegendsten Momente der Reise.

Wie haben Sie Äthiopien jenseits des Laufens erlebt?

Als ein sehr gastfreundliches Land. Die Landschaft hat mich sehr fasziniert. Ich habe aber auch viel Armut, Schmutz und Dreck gesehen. Vieles hat mich schockiert, weil es sehr fremd, befremdlich und zuweilen auch abstoßend war. Aber das würde mich nicht abschrecken, wieder nach Äthiopien zu reisen.

Zur Person: Heino Hirschfeld (45) kommt aus Werder und ist seit acht Jahren passionierter Läufer. Läufe wie beim MBS-Cup oder dem Schlösserlauf waren bislang sein Revier. Jetzt lief er in Afrika.

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